Abschiebung nach Afghanistan

Unfassbare Nachrichten haben wir in der letzten Woche verfolgen müssen. Die Verhaftung und Abschiebung von Mostafa, einem jungen Mann, den auch einige aus unserem Kreis kennen, hat uns schockiert, traurig und wütend gemacht. Mostafa hat sich mustergültig integriert, Deutsch gelernt, eine Ausbildung gemacht und engagiert sich ehrenamtlich im Sportverein. Alle Bemühungen von Menschen aus Politik, Wirtschaft und dem Ehrenamt konnten die Abschiebung von Mostafa aus Ladenburg nach Kabul nicht verhindern.

Die Fakten, die bereits in der lokalen Presse in der letzten Woche zu lesen waren, hier in Kürze. Ein Termin im Landratsamt zur Verlängerung der Duldung wurde für die Festnahme zur Abschiebung genutzt. Mostafa arbeitet und hat einen festen Wohnsitz. An beiden Orten hält er sich regelmäßig und zu bestimmten Zeiten auf. Eine Festnahme wäre also auch an diesen Orten möglich gewesen. Durch dieses Vorgehen wurde das Vertrauensverhältnis der Geflüchteten und Ehrenamtlichen zum RNK nachhaltig gestört. Inzwischen wurde vom Landrat Dallinger zugesichert, "solche Maßnahmen künftig nicht mehr zu unterstützen - nur noch wenn ich vom Land BW dazu angewiesen werde" (Zitat RNZ 18./19. Jan 20).

Die Argumentation für die Abschiebung: Asylantrag abgelehnt, ausreisepflichtig, Strafe wegen Körperverletzung.

Die Argumentation dagegen: jeder Mensch verdient eine zweite Chance; eine erfolgreich mit Auszeichnung abgeschlossenen Ausbildung; eine ausgebildete Fachkraft, die sich mit einer zusätzlichen Ausbildung weiterqualifiziert; ein geschätzter und verdienter Mitarbeiter und Kollege; seine Firma investiert in die Ausbildung beim derzeitigen Fachkräftemangel; vorbildliche Integration und Mitgliedschaft im Sportverein; und zu guter Letzt: Afghanistan ist kein sicheres Herkunftsland, Terror und Angst bestimmen den Alltag der Menschen.

Wie soll man Firmen künftig überzeugen, einen Geflüchteten in Ausbildung zu nehmen, wenn sie befürchten müssen, dass diese Person vielleicht abgeschoben wird? Wie soll man Geflüchteten Mut machen, dass eine Ausbildung der richtige Weg ist, um in Deutschland Fuß zu fassen? Wir haben hier bei uns in Heddesheim ebenfalls Afghanen in Ausbildung und in Arbeit und weitere, die sich für eine Ausbildung bewerben. Einige haben sehr gut Deutsch gelernt, ohne einen bezahlten Integrationskurs erhalten zu haben. Die meisten verdienen ihren Lebensunterhalt und bekommen keine Unterstützung vom Staat. Sie sind ebenfalls integriert im Sportverein und haben deutsche Freunde. Diese Menschen haben laufende Verfahren, da ihr Asylantrag abgelehnt wurde oder befinden bereits in der Duldung. Sie leben jetzt noch mehr in der Angst, abgeschoben zu werden.
Wir möchten uns hier ganz klar positionieren: Die Abschiebung von Menschen nach Afghanistan ist verantwortungslos.

Unsere Solidarität gilt Mostafa, allen abgeschobenen Geflüchteten und den Ehrenamtlichen, die Geflüchtete unterstützen.

 

M. Sonko, U. Bach, M. Brunner-Straub

Abschiebung nach Afghanistan

Unfassbare Nachrichten haben wir in der letzten Woche verfolgen müssen. Die Verhaftung und Abschiebung von Mostafa, einem jungen Mann, den auch einige aus unserem Kreis kennen, hat uns schockiert, traurig und wütend gemacht. Mostafa hat sich mustergültig integriert, Deutsch gelernt, eine Ausbildung gemacht und engagiert sich ehrenamtlich im Sportverein. Alle Bemühungen von Menschen aus Politik, Wirtschaft und dem Ehrenamt konnten die Abschiebung von Mostafa aus Ladenburg nach Kabul nicht verhindern.